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Forschungsprojekte

'Geteilte Welten'. Intellektuelle Begegnungen im späten Kalten Krieg

Habilitationsprojekt

Projektleitung: Prof. Dr. Maike Lehmann

Der Intellektuelle ist tot! Ganz in Sinne dieser 1983 von Jean François Lyotard aufgestellten Behauptung befasst sich die jüngere Zeitgeschichte kaum mit Intellektuellen, wenn sie den politischen, sozialen wie weltanschaulichen Umbrüchen der 1970er und 1980er Jahre nachspürt. Dabei verweisen nicht nur die zeitgenössischen Diskussionen um die Rolle und das Schicksal von Intellektuellen in den Medien, dass sie ihre Funktion als Projektionsflächen für gesellschaftliche Selbstverständigungsprozesse keineswegs eingebüßt hatten. Auch als Akteure fanden sich Intellektuelle wiederholt zwischen den Fronten politischer und sozialer Auseinandersetzungen des späten Kalten Krieges wieder – sei dies als ‚Staatsfeinde‘, die sich Hausdurchsuchungen oder Zwangseinweisungen in die Psychiatrie ausgesetzt sahen, oder als Aktivisten, die Politiker berieten, mediale Aufmerksamkeit provozierten oder sozialen Bewegungen ein Gesicht verliehen...[mehr]

Sammlung Macht Revolution

Projektleitung: Dr. Roland Cvetkovski

Müsste man sich für ein dominantes Narrativ entscheiden, das die sowjetische Geschichte von Anbeginn am treffendsten charakterisierte, so gäbe die Erzählung des unbedingten Fortschritts wohl die wahrscheinlichste ab. Sie beruht auf einer Redeweise, die auf die ersten Ziele der Revolution zurückgeht und im Grunde genommen die Gestaltbarkeit der Geschichte ernst nimmt. Dabei gerät aber zunächst weniger die Geschichte als die Zukunft zum zentralen gesellschaftlichen und politischen Ausrichtungspunkt: Versprechen von Gerechtigkeit, Prosperität, Egalität, Bildung, Glückverheißung. Letztlich wird dadurch sämtliches utopisches Potenzial aktiviert und gleichzeitig in Aussicht gestellt, diese Utopien tatsächlich Wirklichkeit werden zu lassen. Zeitgleich mit diesem emphatischen Aufbruch in eine bessere Zukunft wird aber bereits im November 1917 eine, wie sich herausstellen wird, nicht minder mächtige Rede vernehmbar, die die Bewahrung der russischen Altertümer und der russischen Geschichte in ihren Fokus rückt und deren museale Aufbereitung einfordert...[mehr]

Regionaler Eigensinn und die Herausforderungen der Moderne: Loyalitäten, Identifikationen und ethnische Zuschreibungen im Teschener Schlesien (Mitte 19. bis Mitte 20. Jahrhundert)

Projektleitung: Dr. Ingo Eser

Das Teschener Schlesien steht exemplarisch für das Problem, die Geschichte einer europäischen Grenzregion jenseits nationaler Meisternarrative zu erzählen. Auf eine jahrhundertealte Kontinuität zurückblickend, unterlag das schlesische Herzogtum Teschen seit dem 19. Jahrhundert einer rapiden Industrialisierung, Migration und Verstädterung, die die sozialen und politischen Verhältnisse im Land nachhaltig veränderten. Das Teschener Schlesien rückte in den Fokus gleich dreier nationaler Bewegungen: der tschechischen, der polnischen und der deutschen. Von Seiten protschechischer bzw. propolnischer Akteure wurden Forderungen laut, das österreichische Kronland Schlesien, zu dem Teschen gehörte, nach „ethnischen“ Kriterien neu zu ordnen bzw. ganz aufzulösen. Diese Aspirationen blieben jedoch nicht unwidersprochen: Insbesondere in der Form eines schlesischen Regionalismus, der sog. Schlonsaken-Bewegung, wandten sich große Teile der Bevölkerung des Landes gegen eine nationale Vereinnahmung und insistierten auf die Eigenständigkeit eines schlesischen Volkes, das vielsprachig und multikonfessionell sei ...  [mehr]