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Cultural Intellectual History

 

'Geteilte Welten'. Intellektuelle Begegnungen im späten Kalten Krieg

Habilitationsprojekt

Prof. Dr. Maike Lehmann

Der Intellektuelle ist tot! Ganz in Sinne dieser 1983 von Jean François Lyotard aufgestellten Behauptung befasst sich die jüngere Zeitgeschichte kaum mit Intellektuellen, wenn sie den politischen, sozialen wie weltanschaulichen Umbrüchen der 1970er und 1980er Jahre nachspürt. Dabei verweisen nicht nur die zeitgenössischen Diskussionen um die Rolle und das Schicksal von Intellektuellen in den Medien, dass sie ihre Funktion als Projektionsflächen für gesellschaftliche Selbstverständigungsprozesse keineswegs eingebüßt hatten. Auch als Akteure fanden sich Intellektuelle wiederholt zwischen den Fronten politischer und sozialer Auseinandersetzungen des späten Kalten Krieges wieder – sei dies als ‚Staatsfeinde‘, die sich Hausdurchsuchungen oder Zwangseinweisungen in die Psychiatrie ausgesetzt sahen, oder als Aktivisten, die Politiker berieten, mediale Aufmerksamkeit provozierten oder sozialen Bewegungen ein Gesicht verliehen...[mehr]

Identität, Tradition, Utopie. Konservatismus als politische Kultur in Russland und Europa um 1800

Dr. Roland Cvetkovski

Dieses Forschungsvorhaben ist zeitlich in der Übergangsphase zwischen Vormoderne und Moderne angesiedelt und nimmt sich im weitesten Sinne eine Ideengeschichte im „aufgeschobenen Ende des 18. Jahrhunderts“ (Aleksandr I. Kuprijanov) vor. Im Mittelpunkt stehen dabei die Genese, Ausformulierung sowie Verankerung frühkonservativer Vorstellungen, die oft als Startpunkt der autokratischen Verknöcherung Russlands im 19. Jahrhundert angesehen wurden, weil die meisten ihrer Träger staatsnah agierten und auf eine scheinbare Bewahrung des ancien régime bedacht waren. Gleichzeitig standen viele von ihnen aber auch in weiteren europäischen Zusammenhängen, wo man diese Umbruchsphase als eine Möglichkeit zur gesellschaftlichen Regeneration begriff und dabei erste politische Wertedebatten anstieß.

Dieses Projekt möchte den russischen Frühkonservatismus in einen breiteren Kontext stellen. Es begreift ihn einmal als ein ideengeschichtliches Phänomen, das seinen Ausgang in der russisch-orthodoxen Aufklärung nahm, weswegen gerade auch die Provinzeliten stärker in den Fokus gerückt werden müssen. Zugleich wird der Konservatismus als Ausdruck einer frühen politischen Kultur verstanden, die in einen größeren europäischen und kosmopolitischen Zusammenhang gebettet ist. Denn gerade vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass Konservative zu Beginn des 19. Jahrhunderts eigentlich einen utopischen Diskurs mitbegründeten, indem sie Topoi wie Familie, Geschichte, Staat und Glaube als traditionsgebundene Werte stark machten, sie aber in Wirklichkeit im Zuge dieser übergreifenden Regenerationsdebatte als neue politische Kampfvokabeln prägten.

Reflections on Continuity in Polish Intellectual Culture: Transborder Perspective of Post-war Public Discussions (1945 – 1956)

Dissertationsprojekt: Aleksei Lokhmatov

After the Second World War three centres emerged in Europe which claimed to be legitimate representatives of Polish culture and to continue the Polish national tradition: The Polish Republic under Soviet domination, London as the seat of the exiled government, and Paris where many Polish intellectuals gathered soon after the Second World War. The Polish intellectuals were faced with the necessity to reconsider the main points of the discussion on cultural continuity under the new conditions. The Polish philosopher and writer Stanisław Brzozowski had written still in the beginning of the 20th century: “the nation is a kind of continuity of will which sustains, raises and realizes itself”, having mentioned that “cultural continuity is impossible without the assimilation of the former cultural achievements by each new generation.” With the independence, Polish intellectuals plunged into a fierce public debate on cultural and historical identity, deepening and developing the concept of cultural continuity. The Second World War yet again radically changed the European political and intellectual landscape and shaped a completely new situation for rethinking the issues of cultural identity.

I will examine the concepts of cultural and political continuity which were coined by Polish scholars and writers who took part in the public discussions in the three European centres of Polish intellectual and cultural life after World War II. Under the term “continuity”, I understand the concepts which were formulated within these disputes and had to inscribe the post-war realities into the course of the Polish cultural and political tradition. In my research, I will concentrate on the debates in cultural journals which were, in all three centres, an important mediator between scholarly or literary communities and the broader public. In contrast to the existing historiographical tradition, I will be especially interested in the continuation and the development of the interwar debates and will examine these three centres not as separate from each other but in the context of their common intellectual genealogy and cross-border discussions during the early Cold War.